Maine Coon Geschichte
Vom Naturburschen zum Salonlöwen
In ihrer Heimat hält sie Platz 2 auf der Beliebtheitsscala (nach der Perserkatze), und auch bei uns zählt die nordamerikanische Halblanghaarkatze zu den beliebten Rassen.
Die Maine Coon ist eine Sagenhafte Katze. Obwohl sie erst vor 20 Jahren in ihrem Ursprungsland Amerika als Rasse voll anerkannt wurde, existiert sie dort nachweislich seit mehreren hundert Jahren. Ihren Namen trägt sie nach dem Staate Maine, wo sie sich einst als Naturrasse selbstständig entwickelte.
Die Stories über die Maine Coon Katze reichen von den fantastischsten Vorstellungen bis zu plausiblen Berichten, und jeder Liebhaber dieser eindrucksvollen Rasse mag für sich selbst entscheiden, welche Legende er akzeptieren möchte, Allemal sind die Geschichten von der Herkunft der Maine Coon ein hübsches Gesprächsthema für alle Katzenfreunde.
Rätselhafte Herkunft: Waschbärkatze - Luchshybride - Exilfranzösin?
Die abenteuerlichste Geschichte bezieht sich auf den Namen der Katze. Im Staate Maine soll sie aus einem "Seitensprung" einer Hauskatze mit einem Waschbär (Racoon) hervorgegangen sein. Als Beweis für die (biologisch unmögliche) Verbindung wird der buschige Schwanz angeführt und die Neigung der Maine Coon zum Wasser. Sie spielt mit Wasser und soll sogar des Öfteren dabei beobachtet worden sein, wie sie gelegentlich ihre Nahrung im Bach wäscht - ebenso wie Großvater Waschbär ...
Eine andere Version besagt, eine Hauskatze habe sich mit dem nordamerikanischen Luchs eingelassen und von ihm Junge bekommen, wovon die Ohrbüschel, die Haarbüschel zwischen den Zehen und die außerordentliche Körpergröße der Maine Coon Zeugnis ablegen ...
Man kann das glauben oder nicht, den es gibt realistischere Theorien, wie zum Beispiel diejenigen, nach welcher die ersten Siedler der nordamerikanischen Küstenregionen die langhaarigen Vorfahren der Maine Coon zusammen mit Vieh und Hausrat mitgebracht hatten. Zu beweisen ist allerdings auch das nicht, denn leider hatte damals keiner es für nötig gehalten, darüber irgendwelche Aufzeichnungen als Dokument für die Nachwelt zu hinterlassen. Vielleicht waren ja die halbwilden langhaarigen Katzen schon längst vor den Pilgrim Fathers nach Amerika ausgewandert?
Vielleicht erwarteten sie die Ankunft der Europäer bereits ungeduldig an der Felsenküste, weil sie bereits im 11.Jahrhundert mit den Wikingern den Ozean überquert hatten? Immerhin gibt es Hinweise auf deren Schiffskatzen ...
Oder ist die Maine Coon gar blaublütiger Abstammung? Sind die langhaarigen Farmkatzen mitnichten Proletarier, sondern in Wahrheit Abkömmlinge höchsten französischen Katzenadels? Das könnte sein, denn eine Geschichte erzählt, wie einst Marie Antoniette vor dem Schafott gerettet werden sollte. Zusammen mit anderen königlichen Preziosen wurden ihre Katzen von einem gewissen Kapitän Clough im Voraus nach Amerika geschmuggelt. Da die Flucht der Königin misslang, wie man weiß, blieben die Katzen mit Clough in Maine, um hier eine neue Existenz zu gründen.
Schließlich gibt es noch die Überlieferung von einem Kapitän Coon, der im 18. Jahrhundert die langhaarigen Katzen mit nach Amerika brachte. Eine, wie ich meine, glaubwürdigere Geschichte, denn die große robuste Katze mit dem wasserabweisenden Pelz war als Schiffskatze zum Schutz der Nahrungsvorräte vor Nagern bestens geeignet.
Nützliches Haustier: Farmers Shag Cats
Fest steht, dass die Maine Coon Katze seit Gründung der Neuenglandstaaten, vielleicht schon vorher, im Nordosten der USA und in Kanada vorhanden war. Man nannte die allgemein bekannte Katze damals "American Longhair" (Amerikanische Langhaarkatze) oder "Shag Cat", was so viel bedeutet wie "Zottelkatze". Sie war die übliche Hauskatze mit längerem Fell und musste sich, wie auch die Menschen, den rauen klimatischen Verhältnissen anpassen. Als Bauernkatze genoss sie keine besondere Pflege. Sie ernährte sich selber durch Jagd auf Nager. Im Verlaufe ihrer Generationen lange halbwilde Lebensweise überdauerte die Rasse durch natürliche Selektion. Nur die stärksten, widerstandsfähigsten Katzen überlebten und pflanzten sich fort. Auf diese Weise entwickelte sich die Maine Coon zu einer großen, robusten Katze mit dichtem, gegen Nässe und Kälte schützendem Fell und äußerst widerstandsfähiger Konstitution - (ganz ähnlich später die Sibirische Katze in Russland).
Natürlich war die überdurchschnittlich große und starke Katze auf jeder Farm als Mäuse- und Rattenfänger hoch geschätzt. Trotz ihrer existenziellen Unabhängigkeit suchte die "Shag Cat" auch von sich aus immer die Nähe der Menschen, von denen sie nicht nur als Nutztier, sondern auch wegen ihrer beeindruckenden Statur und ihres herrlichen Pelzes als schöne Erscheinung gern gesehen wurde.
Wenn früher die Farmer ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Markt ausstellten, durften neben Ernteerzeugnissen und Rindern die größten und schönsten "arbeitenden Farmkatzen" nicht fehlen! So waren die Maine Coon schon Ausstellungskatzen, längst ehe die erste Katzenausstellung im heutigen Sinne überhaupt erfunden war.
Sozialer Aufstieg - Sie eroberte Wohnstuben und Ausstellungshallen
Nicht nur wegen ihrer Kraft und jagdlichen Fähigkeit wurde die Maine Coon bevorzugt. Zuerst war es ihre stattliche Erscheinung, die Eindruck machte. Dann aber waren es Eigenschaften wie Freundlichkeit, Intelligenz und fast hundeähnliche Ergebenheit, die sie in der Gunst der Menschen aufrücken ließ. Bald zog sie in Küche und Wohnstube ein, um als geliebtes "Pet" ein angenehmes, verwöhntes Dasein zu führen.
Als die erste Katzenausstellung in Amerika abgehalten wurde, war die Maine Coon natürlich dabei, und sie ging oft sogar als Gewinnerin daraus hervor. Mr. F. R. Pierce, der schon 1861 Maine Coon Katzen besaß, schreibt in "The Book of the Cat", dass die "Best Cat" der Show 1895 im New Yorker Madison Square Garden ein Tabby Maine Coon namens "Leo" war.
Leo siegte später noch öfters, z.B. in Boston 1897, 1898 und 1899.
Wechselvolle Zuchtgeschichte - Geliebt - vergessen - neu entdeckt
Als nach der Jahrhundertwende andere, "moderne" Rassekatzen zunehmend auf der Bildfläche erschienen, wie z.B. Perser, Siam, Korat, Japanese Bobtail usw., wurde es stiller um die Maine Coon. Wie vielerorts auf der Welt fand man auch in den USA Exotisches interessanter als das Eigene. So kam es, dass um 1950 die uramerikanische Rasse Maine Coon im eigenen Land so gut wie verschwunden war.
Nur eine Handvoll Züchter, die unbeirrt weiter am Bestand und Fortentwicklung der Rasse arbeiteten, ist es zu verdanken, dass die Maine Coon diese "Durststrecke" überstanden hat. Gegen Ende der Sechzigerjahre ging es bergauf mit der Zucht- im Jahre 1976 wurde die Maine Coon von der CFA voll anerkannt. Um diese Zeit waren auch schon Maine Coon Katzen in Deutschland angekommen und wurden als Seltenheiten bei Ausstellungen bestaunt. Auf Anhieb gefiel sie den europäischen Katzenfreunden. Sie wurde allmählich bekannter und beliebter, und seit den Achtzigerjahren hat die Popularität der Maine Coon geradezu explosionsartig zugenommen.
Quellenangaben
• J. Anne Helgren "The Maine Coon", Cats Magazine, Dez.93
• Sonya Stanislow "The Maine Coon Cat", CFA Yearbook '85
• Elke Weidekamp, "Die Maine Coon" Infoblatt
• Deutsche Rassekatzen-Union D.R.U.
• "Rassestandards der Katzen der Welt", 1.Aufl. '89
• Die Rassestandards für alle Maine Coon-Varietäten sind nachzulesen in: Rassestandards der Katzen der Welt, Hrsg. D.R.U. e.V
