Ernährung
Die Ernährung der Katze
1. Abstammung der Katze:
Die Katze gehört wie der Hund in die zoologische Ordnung der Carnivora und ist im Unterschied zu diesem ein echter Carnivore, d.h. sie braucht Fleisch. Sie erlegt überwiegend kleine Beutetiere, die sie als Einzelgängerin in Ruhe verzehrt. Dabei frisst sie im Unterschied zum Hund, die Eingeweide kaum.
Eine 3,5 kg schwere Katze braucht in etwa 1250kj Energie/Tag . Eine Maus liefert etwa 125kj. Das bedeutet, dass eine sich nur von Mäusen ernährende Katze täglich etwa 10-12 Mäuse fangen muss!
Die erste bildliche Darstellung von Katze und Mensch in Gemeinschaft findet sich im vorderasiatischen Jericho.Die Domestikation beginnt im 3. bis 2. Jahrtausend v.Chr. in Ägypten.In den reichen Kornkammern der sesshaften ägyptischen Bauern vermehrten sich natürlich auch Mäuse, was die Katzen anlockte. Der Nutzen der Katze als Mäusefänger war wahrscheinlich der Anlass zu ihrer Haustierwerdung. Um etwa 400v.Chr. gelangte die Katze in die rund um das Mittelmeer gelegenen griechischen Kolonien. Später gelangte sie in Begleitung römischer Legionäre und Kaufleute auch in den Norden Europas.
2. Stoffwechselbesonderheiten der Katze als Fleischfresser
Die Katze weist einige Stoffwechselbesonderheiten auf, welche die Unerlässlichkeit von Futtermitteln tierischer Herkunft in der Nahrung der Katze belegen und die zeigen, dass sich die Ernährungsansprüche deutlich von denen des Hundes unterscheiden:
Energiestoffwechsel
- intensive Gluconeogenese
Proteinstoffwechsel
- hoher Proteinbedarf wegen des intensiven Aminosäurenkatabolismus
- fehlende Adaption der katabolen Enzyme bei Proteinmangel
- Arginin als essentielle Aminosäure
- Taurin ( = ß-Aminosulfonsäure) essentiell
Fettstoffwechsel
- Arachidonsäure als essentielle Fettsäure
Vitaminstoffwechsel
- keine Vitamin A-Synthese aus ß-Carotin
- keine Niacin-Synthese aus Tryptophan
Niere
- hohe Konzentrierungskapazität
Diese Besonderheiten zeigen die Adaption der Wildform unserer Hauskatzen an das Beutetier als Nahrungsquelle. Die Beute enthält immer Protein, Taurin und Vitamin A im Überschuss. Taurin und Vitamin A kommen beide in der Pflanzenwelt nicht vor. Das sparsame Haushalten mit Wasser ist durch die klimatischen Bedingungen (ariade Zone) gegeben, in denen die Nubische Falbkatze lebte. Der folgende Satz, abgeleitet vom ursprünglichen Verhalten der Wildkatze, charakterisiert die ernährungsphysiologischen Besonderheiten der Katze:
Die Katze ist ein fettliebender Karnivore und deckt den größten Teil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung
Glucosestoffwechsel
Der Kohlenhydratanteil der natürlichen Nahrung von Katzen (Beutetier)beträgt etwa 1-2% und trägt somit kaum etwas zur Energieversorgung bei.Im Unterschied dazu enthalten insbesondere kommerzielle Trockenfutter für Katzen 40-60% Kohlenhydrate.
Ausgewachsene Katzen brauchen keine Kohlenhydrate als Glucosequelle, sofern die Proteinzufuhr für die ständige Gluconeogenese genügt! Trotzdem ist die Verdauungskapazität für Kohlenhydrate, ausser für Cellulose bei der Katze sehr hoch. So beträgt die scheinbare Verdaulichkeit der Stärke z.B. aus grob zerkleinerten Mais-bzw. Weizenkörnern > 80%, durch Knochen kann diese auf >90% ansteigen.
Die Glucoseaufnahme in die Leberzellen wird bei den meisten omnivoren Tieren durch die Aktivität des Enzyms Glucokinase bestimmt, so z.B. auch beim Hund. Sie tritt hauptsächlich in Funktion, wenn über die Pfortader große Glucosemengen angeflutet werden.Dies ist bei der ursprünglichen Nahrung der Katze nicht der Fall, entsprechend ist die Aktivität der Glucokinase sehr gering. Bei der Katze wird , gleich wie beim Wiederkäuer, die Phosphorylierung der Glucose durch das Enzym Hexokinase katalysiert, dessen Aktivität beim Anstieg der Glucose-6-Phosphat-Konzentration abnimmt.
Proteinstoffwechsel
Katzen haben einen höheren Proteinbedarf als die anderen Haustiere, weil sie ständig Aminosäuren für die Gluconeogenese brauchen. Dabei sind die Enzyme des Aminosäurenabbaus und des Harnstoffzyklus von Natur aus an hohe Proteingehalte in der Nahrung adaptiert und ihre Aktivität bleibt auf unverändert hohen Niveau, unabhängig davon, ob viel oder wenig Protein mit dem Futter aufgenommen wird.
Die Gluconeogenese aus Aminosäuren setzt bereits während der Mahlzeit ein, während bei Omnivoren diese erst in der postabsorptiven Phase geschieht:
Arginin wird bei der Katze wegen der sehr hohen Arginase-Aktivität rasch zu Ornithin abgebaut, das auch dazu dient, den extrahepatischen Bedarf zu decken.Die Katze muss deshalb genügend Arginin mit dem Futter aufnehmen können, damit der Harnstoffzyklus optimal funktioniert und der extrahepatische Bedarf gedeckt werden kann. Argininmangel bewirkt eine Ammoniakvergiftung .
Die Katze kann kann die ß-Aminosulfonsäure Taurin nicht wie andere Tierarten aus den schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin bilden, weil einerseits das dafür notwendige Enzym Cystein-Sulfinsäure-Decarboxylase nur eine niedrige Aktivität hat. Andererseits werden Methionin und Cystein/Cystin für die Synthese des Felininis, einer Schwefelaminosäure des Harns, gebraucht. Felinin gibt dem Katzenharn den typischen penetranten Geruch. Die Katze hat darum einen relativ hohen Bedarf an Methionin und Cystin. Bei der Katze werden Gallensäuren in der Leber ausschließlich mit Taurin konjugiert. Sie kann darum einen Taurinmangel wegen alimentärer Unterversorgung nicht wie andere Tierarten dadurch kompensieren, dass Gallensäuren vorwiegend mit Glyzin konjugiert werden und so freies Taurin für andere Gewebe verfügbar wird.
Bei einem Taurinmangel werden folgende Symptome bei der Katze beschrieben:
- Degeneration der Retina
- Blindheit
- Dilatative Cardiomyopathie
- Reproduktionsstörungen bei Kätzinnen
- Wachstumsdepression bei Katzenwelpen
- Zentralnervöse Störungen bei Katzenwelpen
- Deformation der Wirbelsäule bei Welpen
- Erhöhte Aggregationsneigung der Thrombozyten
- Störungen des Immunsystems
Taurin kommt in der Pflanzenwelt nicht vor. In tierischen Produkten ist der Tauringehalt sehr unterschiedlich. Taurin wird beim kochen zerstört. Rohes Rind-und Lammfleisch sowie Katzenmilch sind sehr Taurinreich.Die empfohlene Taurinmenge in Katzentrocken - resp. Feuchtfutter liegt bei 100-200mg/100g TS.
Die Katze kann durch ihren Fettstoffwechsel hohe Fettmengen(bis >64% in der Trockensubstanz) tolerieren und auch gut verwerten (Verdaulichkeit 85>95%).Die Akzeptanz des Futters hängt entscheidend vom Fettgehalt und der Art des Fettes ab. Die meisten Katzenfutter haben einen Fettgehalt von 25-30% in der Trockensubstanz. Bevorzugt werden von den Katzen allerdings tierische Fette.Katze brauchen viel Fett und vor allem auch viele hochungesättigte Fettsäuren. Das wiederum bewirkt, dass der Bedarf der Katze an Antioxidantien (Vitamin E und Selen) ebenfalls hoch ist.
Im Bezug auf Vitamin A (Retinol) das ja bekanntlich nicht in Pflanzen vorkommt ,wohl aber das Protivitamin ß-Carotin.ß-Carotin wird in der Darmmucosa (Darmschleimhaut)durch das Enzym ß-Carotin-Dioxygenase in Retinol gespalten. Dieses, beim Menschen und den meisten anderen Säugetieren vorkommende Enzym fehlt der Katze. Sie ist zur Deckung des Vitamin A- Bedarfs auf vom Tier stammende Futtermittel angewiesen.
Ein Überversorgung mit Vitamin A, wie sie bei zu häufiger Verfütterung von Leber entstehen kann, führt zu Exostosen insbesondere an der Hals und Brustwirbelsäule.
Desweiteren kann die Katze auch kein Niacin bilden, denn die Aktivität des Leberenzyms Picolin-Decarboxylase ist sehr hoch, so dass aus Tryptophan hauptsächlich Glutarat gebildet wird.Dieser alternative Stoffwechselweg scheint für einen Carnivoren sinnvoll, denn Fleisch ist reich an Tryptophan(aus freiem Tryptophan entsteht 5-Hydroxitryptamin=Serotonin) und enthält auch viel Niacin.
3. Energie und Nährstoffbedarf:
Es wird in der Literatur ein unterschiedlicher Energiebedarf angegeben. Der schwankt zwischen 128 und 660kj UE/kg LM/d. Im Einzelfall hängt der effektive Energiebedarf von verschiedenen Faktoren wie Alter, Aktivität(Haltung), Dichte des Haarkleides, Umgebungstemperatur usw....ab. Ein weiter Unterschied besteht zwischen potenten und kastrierten Katzen. Es wird immer wieder beobachtet das Kastraten leichter zu Übergewicht neigen.Von der zugeführten Energie kann ein hiher Anteil aus Fett bestehen, insbesondere aus solchem tierischer herkunft, da dieses vor allem die für die Katze essentielle Arachidonsäure enthält. Kohlenhydrate sollten nicht mehr als 50% der Gesamtenergie des Futters ausmachen bzw. in der TS sollten maximal 400NfE enthalten sein.
Der Bedarf an essentiellen Fettsäuren liegt bei der Linolsäure bei 250mg/kg LM/Tag und der Arachidonsäure bei 3 mg/kgLM/Tag .
Wegen des intensiven Proteinkatabolismus ( Gluconeongenese) benötigen Katzen hohe Proteinmengen.In der Literatur sind Angaben zwischen 1,3-5,0g Rohprotein/kgLM/d zu finden.Ein hiher Proteingehalt der Ration fördert auch ihre Akzeptanz. Dabei sollte der größte Teil tierischer Herkunft sein, denn nur diese Proteine enthalten das für die Katze essentielle Taurin(Bedarf: 20mg/kg LM Tag) .
Empfohlenes tägliches Angebot an Mengen und Spurenelementen
- Das Ca:P-Verhältnis sollte 0,9-1,2:1 betragen.Für adulte Katzen gilt jedoch, dass eine ausreichende Versorgung mit Ca wichtiger ist als das Ca:P Verhältnis. Bei einseitiger Fleischfütterung (Ca:P=1:20) kann sich ein sekundärer Hyperparathyreoidismus entwickeln; Symptome: Bewegungsstörungen, Spontanfrakturen, Knochendeformationen.
- ein Magnesiummangel führt zu Wachstumsstörungen, Muskelschwäche und Krämpfen.
Ungünstig ist auch eine Überversorgung zu werten, weil dadurch die Struvitsteinbildung gefördert wird.
- Hämgebundenes Eisen (Fleisch) hat die hchste Bioverfügbarkeit.
- Zinkmangel kommt, wenn das Futter nicht zuviele pflanzliche Produkte enthält, selten vor.
Empfohlenes Angebot an Mengen und Spurenelementen
Empfohlenes Angebot an Vitaminen (Angaben pro Kg LM)
4. Fütterungshinweise
Die Katze braucht eine hochwertige proteinreiche Feuchtnahrung auf der Basis von Fleisch
Die Katze kann mit selbstzubereitetem Futter ernährt werden. Dabei müssen ihre ernährungs-physiologischen Besonderheiten beachtet werden: Sie ist ein fettliebender Karnivore, die den größten Teil ihres Wasserbedarfs mit der Nahrung deckt. Ein Problem bei selbstzubereiteten Rationen ist die Sicherstellung der Mineralstoffversorgung.
Einfacher ist es die Katze mit käuflichen Alleinfuttermitteln mit den minimalen Gehalten (wie in der Tabelle nebenan)zu ernähren. Weil aber die Katze mit dem Feuchtfutter mehr Wasser aufnimmt, scheint Dosenfutter besser geeignet zu sein als Trockenfutter. Trockenfutter kann evtl. mit Wasser oder Bouillon eingeweicht werden. Sich muss die Katze immer frisches Wasser zur Verfügung haben. Dosenfutter werden durch erhitzen haltbar gemacht. Zum Teil enthalten sie auch Konservierungsmittel. Benzoesäure, ein in der Humanernährung oft gebrauchtes Konservierungsmittel, ist für die Katze toxisch, da sie dieses nur schlecht entgiften kann. Größere Mengen Propylenglykol können ebenfalls toxisch wirken. Dies ist auch ein Grund weshalb sich Hundefutter nicht für Katzen eignet.
Katzen haben als Fleischfresser einen sauren Harn-ph. Kommerzielle Trockenfutter enthalten oft zu viele pflanzliche Produkte und ' produzieren' deshalb einen alkalischen Urin. Um den Harn anzusäuern, wird NH4CI und /oder Methionin zugesetzt. Ein korrekt formuliertes Katzenfutter sollte auch bei ad libitum Fütterung einen Harn-ph von <7,0 ergeben.
Bei ad libitum-Fütterung frisst eine Katze 10-20 kleine Portionen während 24 Stunden, wobei kein Unterschied zwischen Tag und Nacht auszumachen ist. Adulte Katzen sollten 2 mal täglich gefüttert werden. Die Akzeptanz eines Futters kann durch tierisches Fett(Rinderfett) Baldrian ,Katzenminze , Kaffeerahm oder Bouillon erhöht werden.
Die Katze nimmt von Natur aus den größten Teil des Wassers zusammen mit der Nahrung auf.Wird Trockenfutter verabreicht, kompensiert die Katze die geringere "Nahrungswasseraufnahme" nicht, indem sie mehr säuft. Deshalb sollte Trockenfutter unbedingt mit Flüssigkeit versetzt werden.
Eine ungenügende Wasseraufnahme führt zu einer Harnkonzentration und begünstigt das Auftreten der Feline lower urinary tract disease.
Quelle: Uni Zürich Prof. Dr. Wanner
